Geschichten aus dem Wiener Wald Gründer und Start-Up Geschichten_Der Überhebliche

Da sitzt er vor mir mit einem Sammelsurium an Vorstellungen, Phantasien und Wünschen.

Ziemlich überheblich kommt er in den Raum. Von sich und seiner Geschäftsidee total überzeugt. Das kann ich zunächst einmal so stehen lassen. Jeder Mensch hat ja von Geburt aus das Recht, sich so zu präsentieren, wie Gott ihn geschaffen hat. Jahrzehntelange Berufsjahre hat er auf dem Buckel. Immer beim gleichen Arbeitgeber. Ein riesiger international agierender Konzern. So weit so gut, denke ich und höre seinen Ausführungen ehrlich interessiert und sehr aufmerksam zu. Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, die deutsche Wirtschaft zu unterstützen und insbesondere mutigen und ehrgeizigen Jungunternehmern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Das mache ich zum Teil auch ehrenamtlich.

Im Laufe der Zeit wird ihm allerdings klar, dass sein angedachtes Geschäftsmodell eher caritative Ansätze hat und nicht wie beabsichtig, Umsätze generieren soll. Das Finanzamt ist ihm deswegen auch schon auf den Fersen. Das macht ihm große Angst, denn er kennt sich im Haifischbecken der Selbstständigkeit ja nicht aus. Vielmehr glorifiziert und beschönigt er seinen Status als Jungunternehmer. Auch das ist normal.

Nicht normal ist, dass er vollkommen resistent gegenüber der realistischen Entwicklung seines Geschäftsmodell ist. Er ist ja der Checker vom Neckar.
Wild um sich schlagend zerstört er das, was er aufgebaut hat, weil er nun die beleidigte Leberwurst spielt, statt sich vernünftig und wie es für einen Unternehmer gehört, den Herausforderung stellt. Dazu gehört in erster Linie, Verantwortung für den eigenes unternehmerisches Denken und Handeln zu übernehmen, statt diese Verantwortung auf sein soziales Umfeld zu transferieren.
Fazit: Ich sage: So wird das nichts. Unternehmer zu werden und zu sein und vor allem das Unternehmertum zu leben, bedeutet, sein Geschäftsmodell jeden Tag auf den Prüfstand zu stellen, einen Rundumblick zu wagen und sein Denken und Handeln jeden Tag neu zu justieren.

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